Farben essen

Alles so schön bunt hier. Vor allem Gelb dreht im Herbst nochmal so richtig am Regler: Sonnenblumen, Topinambur, Kapuzinerkresse.

Sonnenblume (Helianthus annuus)

Sonnenblume (Helianthus annuus)

Das menschliche Auge bzw. das Gehirn freut sich an Farben: es findet blau beruhigend, gelb an- und rot erregend. Auch beim Essen: eine sattrote Erdbeermarmelade schmeckt besser als eine angegraute aus dem Keller. Mit verbundenen Augen würden wir allerdings keinen Unterschied spüren. Weiterlesen

Kontrast it

Schon die Phonetik des Worts packt die Bedeutung beim Schopf: contra stare wie die Lateiner sagen ist ein krasser Gegensatz. Ich habe eine große Vorliebe für Kontraste – im wörtlichen, also in der bildlichen Darstellung beheimateten Kontext sowie im übertragenen Sinne, der in der Regel immer energiegeladen daherkommt.

contrast2Mit Bildern und Worten Kontraste zu setzen bedeutet Aufmerksamkeit zu erzeugen. Dazu reicht es nicht aus alle Register von schrill, groß und bunt zu ziehen, sondern ein angemessenes Maß an Ausdruck zu finden und ein Gefühl für starke Symbole zu entwickeln. Wichtiges soll in den Vordergrund, das Komplexe im Hintergrund als Kulisse dienen. Unser Gehirn reagiert auf starke Kontraste automatisch mit einer höheren Aktivität. Das gilt auch für Geräusche, Musik und Töne – die den Gesamteindruck dann noch emotional verstärken können. Findet allerdings eine Überzeichnung statt, hakt das Gehirn die Darstellung als unwahrscheinlich ab. Weiterlesen

100 Prozent sind ein Anfang

Mehrere Hunderter-Erfahrungen in kürzester Zeit lassen mich resümieren: 100 Prozent sind ein Anfang. Die Summe ist mehr als ihre Teile. Hier und heute in diesem Blog geht es „nur“ um die Teile. Weiterlesen

Max Planck meets Einstein

Das Genie Einsteins bestand wohl hauptsächlich darin nach Einheit zu suchen während sich die anderen mit Unterscheidungen abplagten. Sein unerschütterlicher Instinkt für die Fügung von Dingen die zusammengehören und sein Blick in das innerste Wesen der Teilchen sind in die Geschichte eingegangen. Weiterlesen

Glanzleistung

Zum Buch Die Analogie, Das Herz des Denkens von Douglas Hoftstadter und Emmanuel Sander (2014), Originaltitel: Surfaces and Essences: Analogy as the Fuel and Fire of Thinking.

analogie„Es geht darum, wie wir die Welt wahrnehmen, wie wir Begriffe bilden, wie wir verstehen und wie wir kommunizieren, kurz: um die große Frage, was Denken eigentlich ist.“

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Der schöne Schein: durch die Oberfläche in die Tiefe

Designer haben einen Blick dafür: Sie können die „tiefere Natur“ eines Objekts mit ihrem Expertinnenwissen von der Oberfläche ablesen. Sie schließen von der Machart direkt auf die Verwendung. Im Design heißt dieses Prinzip Transparenz. Es bedeutet, dass Oberfläche und Quintessenz eines Objekts im Idealfall eng aufeinander bezogen sind. Hat, was für eine chromblitzende Kaffeemaschine mit drei Knöpfen gilt, auch Relevanz für andere Bereiche des täglichen und nichtalltäglichen Lebens? Weiterlesen

Kaffee trinken: ein sprachlicher Hochseilakt auf vier Ebenen

Inspiriert und leicht abgewandelt aus: Douglas Hofstadter und Emmanuel Sander, Die Analogie. Das Herz des Denkens, Kapitel 4 Abstraktion und interkategoriales Denken, 2014.

Kaffee trinkenTreffen wir uns zu einem Kaffee, egal geschäftlich oder mit einer Freundin, trinken wir dann auch einen? Oder kann es auch eine Cola, ein Eistee oder ein stilles Wasser sein? „Kaffeetrinken gehen“ lässt als allgemein anerkannte Verabredungsform das alles zu – ohne dass sich jemand daran stört oder darauf bestehen würde auch wirklich Kaffee zu trinken. Diese Art von sprachlichem Habitus heißt Marking, es ist weit verbreitet, wird aber von den Sprechenden kaum wahrgenommen. Im Prinzip bedeutet Marking, dass Wörter zwischen unterschiedlichen Kategorien switchen können – also von einer engen Bedeutung zu einer weiter gefassten. Das verleiht der Sprache mehr Geschmeidigkeit und ist außerdem ein nützliches Werkzeug in der Kommunikation, da es von der natürlichen Sensibilität für den jeweiligen Kontext, in dem sich die Menschen befinden, Gebrauch macht. Weiterlesen

Varianten der Zukunft – 10 Jahre Manifest der Hirnforschung*

BildBleibe der Zukunft gegenüber offen. Das ist die oberste Lebensregel des Gehirns, sein persönlicher Grundsatz des Wollens und Handelns. Damit versucht es ständig Einfluss auf mich zu nehmen. Nicht dass unsere auf die Zukunft bezogenen Pläne stark voneinander abweichen, es geht in der Regel um Bedeutungsnuancen.  Weiterlesen

ha ha ha!

woodyGelächter entspannt, das ist bekannt. Nicht nur die Gesichts- und Bauchmuskulatur, auch das Gehirn. Ich lache mich tot. Während das geschieht, ist die Kurve auf dem Monitor schon fast waagrecht.

Mein Körper und alle, die drumherumstehen, schütteln sich vor Vergnügen, schließlich ist es ansteckend und findet unter günstigen Umständen immer neue Nahrung. Eine Lawine aus Heiterkeit. Ein wenig peinlich, zugegeben. Wie die Herde Zebras in Madagaskar I. Von der fortlaufenden Rückkoppelung lösen sich Ursache und Wirkung völlig auf.

Doch die Physik der Wellen bedingt ein Abflauen und in der Phase des Wieder zur Ruhe Kommens breitet sich ein glückliches Grinsen auf den Gesichtern aus, auch auf meinem. Gleich sind wir alle wieder mehrdimensional hochkomplexe und nichtlineare Denkwesen, die sich etwas auf ihre Bildung einbilden, dabei haben wir noch nicht einmal damit angefangen, die mittlere Organisationsebene der Informationsverarbeitung zu verstehen. Aber der Witz muss schon gut sein, oder.